Wenn Koalas segeln – Segeltrip ins Paradies

San Blas, Panama

„Warum hast du dein Boot ‚Koala‘ genannt?“, fragte einer unserer Mitreisenden unseren Kapitän, nachdem wir die erste Nacht auf dem offenen Meer unbeschadet hinter uns gebracht hatten. „Koalas sind süß! Und der Name lässt sich leicht merken.“

Da hat Kapitän Fabian recht. Außerdem sind Koalas extrem faul und schlafen bis zu 20 Stunden am Tag. Und schlafen war auf der zweitägigen Überfahrt von Cartagena in Kolumbien bis zu den San Blas Inseln in Panama auch unsere Hauptbeschäftigung.

Wenn wir mal nicht schliefen, dann aßen wir das unglaubliche Essen unserer Köchin Dani, lauschten einer von vielen Geschichten, die Fabian uns erzählte oder starrten einfach nur auf’s offene Meer. Kotzen stand dank des unfassbar ruhigen Wassers nicht auf der Tagesordnung – Fabian sagte, ein so ruhiges Meer sieht er nur zwei Mal im Jahr. Glück gehabt!

Sailing Koala 1, Cartagena nach San Blas

We don’t fuck around at Sailing Koala!

Fabians Lieblingsspruch hörten wir das erste Mal beim Briefing, das wir morgens am Tag unserer Abfahrt in Cartagena hatten. Was er damit sagen wollte: bei Sailing Koala, also auf seinen Booten Koala 1 und Koala 2, mit denen er die Strecke Cartagena – San Blas regelmäßig fährt, ist alles vom Feinsten. Extravagant. Spitzenklasse.

Das Briefing

Im Briefing informierte Fabian uns außerdem über den Tagesablauf während unseres fünftägigen Trips – hauptsächlich ging es um’s Essen: Frühstück gegen 8:00 Uhr, Mittagessen gegen 12:30 Uhr und Abendessen gegen 19:00 Uhr. Er sagte, er habe die beste Köchin – aber das sagt vermutlich erst mal jeder.

Sailing Koala 1, Gemüse

Zum Abschluss des Briefings machte Fabian noch eine ganz klare Ansage. Ab sofort bis zur Ankunft in Panama, wo wir nach unseren fünf gemeinsamen Tagen in ein Taxiboot umsteigen würden, das uns wieder an Land bringt, galt striktes Drogenverbot. Wenn er jemanden mit Drogen erwischte, würde er ihn nicht mitnehmen. Das liegt vor allem daran, dass die Kapitäne dafür in den Knast wandern, wenn die Polizei in Kolumbien oder Panama Drogen auf ihren Booten findet.

Die Geschichte mit den Drogen

Und dann erzählte Fabian uns auch schon die erste seiner vielen Geschichten. Vor einigen Jahren hatte sich ein Australier für die Fahrt von Cartagena nach San Blas angemeldet. Beim Briefing kam der Typ Fabian irgendwie ein bisschen komisch vor, deshalb durchsuchte er sein gesamtes Gepäck. Und er fand ein komplettes Nackenkissen voll mit Koks. Ist wahrscheinlich genau so gemütlich wie die eigentliche Füllung, bringt halt eben nur viel mehr Kohle. Fabian bat dem Typen an, ihn trotzdem mit zu nehmen, wenn er die Drogen vorher entsorgen würde – und sah den Australier nie wieder.

Segeln ohne Wind

Nach dem Briefing hatten wir den Tag noch zur freien Verfügung in Cartagena. Wir trafen uns um 18:00 Uhr am Boot wieder, um unsere Kabinen zu beziehen, zu Abend zu essen und anschließend die lange Reise nach San Blas anzutreten.

Patrick und ich hatten ca. sechs Wochen vorher gebucht, deshalb konnten wir bei der Buchung unseren Kabinenwunsch angeben. Wir bekamen tatsächlich eine Doppelkabine mit eigenem Bad. Die Dusche durften wir zwar nicht benutzen, aber immerhin hatten wir ein eigenes Klo. Nachteil war allerdings, dass wir direkt neben dem Motor schliefen. Krach ist ja grundsätzlich kein allzu großes Problem, aber da wir die komplette 40-stündige Überfahrt mit laufendem Motor zurücklegen mussten, weil kein Wind wehte, wurde es in der Kabine unerträglich heiß.

Sailing Koala 1, ruhiges Meer

Allerdings schwitzte ich lieber wie ein Schwein, als mir die Seele aus dem Leib zu kotzen. Und dazu wäre es mit mehr Wind und entsprechend Wellen vermutlich gekommen.

Die Geschichte mit der Kotzerei

Dazu eine weitere nette Geschichte von Fabian. Seine allererste Überfahrt machte er mit einem viel kleineren Boot als der Koala 1 1998 mit vier Israelis. Wind und Wellen waren vorhanden, aber nicht übermäßig stark. Die Passagiere fingen, kurz nachdem sie den Hafen in Cartagena verlassen hatten, an zu singen. Dabei gaben sie allerdings eher komische, undefinierbare, laute Töne von sich, die Fabian zur Unterhaltung aller nachmachte.

Trotz des relativ ruhigen Meeres fingen die Passagiere schon nach kurzer Zeit an, sich zu übergeben. Und sie hörten nicht mehr auf. Sie konnten nicht essen, nicht trinken, sich nicht bewegen – singen konnten sie allerdings immer noch. Als sie noch etwa drei Stunden von San Blas entfernt waren, flehten die Männer Fabian an, Hilfe zu holen. Wo um Gottes Willen sollte er auf dem offenen Meer Hilfe her bekommen? Er versuchte, den Israelis zu erklären, dass er hier auf hoher See niemanden erreichen würde, aber sie flehten weiter. Also nahm er sein Funkgerät und sagte: „Mayday, Mayday“ – eigentlich nur, um zu beweisen, dass niemand ihn hörte. Nach kurzer Zeit kam allerdings tatsächlich eine Antwort – und zwar von den US-amerikanischen Navy Seals. Aus der Nummer kam er jetzt nicht mehr raus – vor allem, weil die Israelis sich freuten wie kleine Kinder, dass endlich Hilfe kam.

Also musste Fabian ein wenig übertreiben und erklären, dass seine Passagiere sich in einem gesundheitlich sehr schlechten Zustand befänden, um das Mayday akzeptabel zu machen. Die Navy Seals zögerten nicht und machten sich auf den Weg zu Fabians Boot. Kurze Zeit später kam ein riesiges Schiff mit stark bewaffneten Soldaten in kompletter Montur an, die erst mal Fabians Boot kontrollierten. Natürlich waren sie auf der Suche nach illegalen Dingen, denn schließlich kam er gerade aus Kolumbien und war dazu auch noch Kolumbianer, der vier Israelis transportierte. Die Amerikaner fanden aber nichts und schickten nach der Inspektion einen Arzt auf das kleine Segelboot.

Der stellte fest, was Fabian sowieso schon wusste: die Männer waren total dehydriert und konnten auch keine Tabletten bei sich behalten, die die Übelkeit stoppen würden. Also halfen nur Zäpfchen. Jeder bekam eins, schön demonstrativ mitten auf dem Boot. Der Arzt ließ Fabian eine Tüte mit weiteren Medikamenten da und sagte, er müsse den Passagieren in gewissen Abständen weitere Zäpfchen verabreichen. Die Tüte reichte Fabian direkt an seine Passagiere weiter – die Medizin konnten die sich schön selbst verabreichen.

Bevor die Navy Seals wieder verschwanden, entschuldigte Fabian sich für die Nummer und erklärte, dass er nicht damit gerechnet hatte, dass jemand antworten würde. Da lösten sich die harten Mienen der Soldaten endlich und sie sagten, dass sie seit Monaten durch die Gegend schipperten und nichts zu tun hatten – da waren so ein paar kotzende, singende Israelis eine willkommene Abwechslung.

Unsere Truppe

Gesungen haben bei uns an Bord nur die zwei Däninnen, die irgendwie einen an der Waffel hatten und regelmäßig das ganze Boot unterhielten. Außerdem waren ein australisches und ein irisches Pärchen, eine in London lebende Irin und ein US-Amerikaner, der in Deutschland aufwuchs, in London studierte und mittlerweile in der Schweiz lebt, an Bord. Alle waren zwischen 23 und 32, also eine bunt gemischte, nicht allzu junge Truppe, mit der wir viel Spaß hatten.

Sailing Koala 1, Sunset

Beim Briefing hatte Fabian uns gesagt, dass es an Bord so viel Wasser gibt, wie wir wollen. Er hat eine Filteranlage, die Meerwasser zu Trinkwasser aufbereitet. Alles andere, was wir trinken wollten, mussten wir selbst mitbringen.

Das ließen sich die Iren und Australier natürlich nicht zwei Mal sagen und kamen am Tag der Abfahrt abends mit mehreren Flaschen weißem und braunem Rum, Wodka und Whiskey zurück auf’s Boot. Patrick und ich hatten unser letztes Geld für ein Sixpack Bier und zwei Flaschen Wasser ausgegeben und sahen damit ziemlich alt aus.

Während der Überfahrt auf hoher See verhängte Fabian allerdings ein Alkoholverbot – er wollte ungern nachts besoffene Leute aus dem Meer fischen, die sich dann womöglich noch den Kopf angehauen hatten und bis zur Ankunft in San Blas verblutet waren.

Sailing Koala 1

Es war außerdem verboten, während der Überfahrt ins Wasser zu springen. Während der Fahrt wäre das natürlich sowieso nicht gegangen, aber Fabian weigerte sich auch, anzuhalten. Natürlich hatte er auch dazu eine Geschichte parat.

Die Geschichte mit den Haien

Vor vielen Jahren, als er noch nicht so viel Erfahrung mit der Überfahrt von Cartagena nach San Blas hatte, hatte er mit nur fünf Personen mal eine ziemlich kleine Gruppe an Bord.

Es war super heiß und die Gruppe wollte unbedingt mal kurz ins Wasser springen. Sie bettelten so lange, dass Fabian kurz anhalten sollte, bis er es irgendwann tatsächlich auf hoher See tat. Die Passagiere durften fünf Minuten ins Wasser – einer nach dem anderen, um die Gefahr so gering wie möglich zu halten.

Als letzte durfte eine junge Frau ins Wasser, die aber leider nicht schwimmen konnte. Also zog Fabian ihr eine Schwimmweste an, band ein Seil daran fest und ließ sie ins Wasser gleiten. Er hielt das Seil die ganze Zeit in der Hand. Nach kurzer Zeit sah er plötzlich einen Schatten und erkannte kurz darauf in dem Schatten einen Hai, der gemütlich unter der Frau kreiste.

Um die Frau nicht panisch zu machen, fing er ganz langsam an, sie wieder ans Boot zu ziehen und sagte, sie müssten jetzt dringend weiter fahren. Natürlich protestierte die Frau, denn alle anderen durften schließlich fünf Minuten im Wasser bleiben, sie aber nur zwei. Unbeirrt zog Fabian sie ans Boot und hob sie mit einem Ruck aus dem Wasser.

Meckernd und trotzig stand sie da und protestierte weiter, bis Fabian ihr sagte, sie solle mal ins Wasser gucken – ausgerechnet in dem Moment schwamm der Hai tatsächlich wieder ganz nah am Boot vorbei. Aus Meckern wurde schlagartig Gekreische und Geheule – und plötzlich war sie Fabian unglaublich dankbar. Seitdem hält er auf offener See nicht mehr an, egal, wie sehr die Leute betteln.

Haie haben wir zwar nicht gesehen, dafür aber unzählige Delfine. Während der Überfahrt kamen sie an beiden Tagen zum Boot und schwammen eine Weile mit uns mit – einfach der Wahnsinn!

Sailing Koala 1, Delfine

Ankunft in San Blas

Wir wären auch liebend gerne mal schwimmen gegangen, denn nicht nur unter Deck war es super heiß, sondern auch auf dem Boot – trotz Fahrtwind. Umso mehr freuten wir uns, als wir nach insgesamt zwei Nächten und eineinhalb Tagen auf See mit ununterbrochenem Motorenknattern endlich das Paradies erreichten.

Patrick und ich haben auf unserer Reise ja schon die ein oder andere Insel und einige Strände gesehen. Aber die Insel, die nach eineinhalb Tagen als erstes Land vor uns auftauchte, war einfach der Wahnsinn. Winzig klein, mit nur einer Hütte, in der die Familie lebt, die die Insel besitzt, und unzähligen Kokospalmen. Der Sand war strahlend weiß und das Wasser türkis und glasklar.

San Blas, Panama

Fabian stellte den Motor ab – und wir durften endlich ins Wasser springen und uns abkühlen. Jedenfalls, soweit das ging, denn das Wasser hatte eher Badewannentemperatur.

Den restlichen Tag verbrachten wir auf der Insel, im Meer oder auf dem Boot und taten nichts anderes als rumhängen und essen.

San Blas, Panama

Das Essen

Das Essen war, wie von Fabian angekündigt, spitzenklasse. Es gab jeden Tag etwas anderes. Zum Frühstück gab es unter anderem Toast mit Käse, Schinken, Tomaten und Nutella, Pancakes, Müsli, Omelett mit Gemüse und Rühreier. Mittags und abends überraschte Köchin Dani uns jeden Tag auf’s Neue – mit Wraps, Burgern, Nudeln mit Asia-Gemüse, Burritos, Schweinesteaks mit Kartoffelpüree, argentinischem Rinderfilet mit Salat, Spaghetti Carbonara und sogar Hummer mit Maracuya-Sauce. Es war einfach der Wahnsinn, was Dani in der kleinen Küche zustande brachte.

Dazu gab es regelmäßig Obstteller mit den leckersten Früchten.

Sailing Koala 1, Obst

Rumhängend und essend verbrachten wir auch die beiden weiteren Tage in San Blas – jeden Tag vor einer anderen Insel.

Diese Tour war ein einmaliges Erlebnis – und ich kann nur jedem empfehlen, selbst fünf unvergessliche Tage auf der Koala 1 zu verbringen. Fabian hatte nicht übertrieben, als er anfangs und jeden Tag an die 20 Mal sagte: „We don’t fuck around at Sailing Koala!“

San Blas, Panama

Eckdaten

Hier ein paar Eckdaten, falls du dich für den Segeltrip interessierst:

  • Fabians Boote werden zusammen mit 23 anderen Booten von Blue Sailing in Cartagena verwaltet. Auf deren Homepage hast du Einsicht in einen Kalender, in dem alle Abfahrten aufgelistet sind. Die Boote stehen nicht dabei, aber du kannst per E-Mail anfragen, an welchem Datum welches Boot fährt.
  • Je früher du buchst, desto größer ist die Chance, dass du dir eine Kabine aussuchen kannst. Auf der Koala 1 gibt es zwei Doppelkabinen (eine mit eigenem Klo), eine Viererkabine und drei Betten im Aufenthaltsraum.
  • Die Fahrt kannst du auch von Panama nach Cartagena machen. Fabian fährt ca. drei Mal im Monat hin und her.
  • In der Hauptsaison kostet der Spaß 550 USD, in der Nebensaison 475 USD – Essen und Wasser inklusive. Die Nebensaison hat den großen Vorteil, dass die Wellen nicht so hoch sind, weil wenig bis kein Wind weht. Dafür läuft eben die ganze Zeit der Motor. Dazu kommen 20 USD für den Eintritt in San Blas und 47 USD für den Transport von/nach Panama City.
  • Normalerweise bist du fünf Nächte auf dem Boot. Es kann aber auch mal länger dauern. Zum Beispiel, wenn das Wetter zu schlecht ist oder die Grenzbeamten in Panama keine Lust haben, Stempel zu verteilen. Dann wird eben gewartet.
  • Die Fahrt besteht aus zwei Tagen Überfahrt auf dem offenen Meer und drei Tagen an verschiedenen Inseln in San Blas. Fabian hat Schnorchelzeug und ein Kayak an Bord, das du nutzen kannst.
  • Das große Gepäck wird für die fünf Tage verstaut. Du solltest das Nötigste in einen kleinen Rucksack packen – am wichtigsten sind Badesachen, Sonnencreme und ein Buch.

Über den Autor

Mona

Früher saß ich den ganzen Tag im Büro am Schreibtisch - heute bin ich angehende Weltenbummlerin, Fotografin, Texterin, Geschichtenerzählerin und Reiseplanerin.
In diesem Blog erzähle ich die Geschichten, die mein Freund Patrick und ich auf unserer Weltreise erleben - und gebe Tipps zur richtigen Vorbereitung einer Langzeitreise und zu einzelnen Reisezielen.

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