Pferde und die größten Palmen der Welt – in Salento (Teil 2)

Wachspalme Valle de Cocora Salento

Ich habe seit ungefähr 17 Jahren nicht mehr auf einem Pferd gesessen.

Das wollte ich in Salento unbedingt ändern. Ich konnte Patrick sogar dazu überreden, mit zu machen, obwohl er noch nie in seinem ganzen Leben auf einem Pferd gesessen hatte. Aber die Pferde in Salento sind ungeübte Reiter zum Glück gewohnt.

Das kleine Dorf Salento, das sich ungefähr auf halber Strecke zwischen Cali und Medellín befindet, ist vor allem für seine Lage berühmt. Es liegt in der Zona Cafetera, der Kaffeezone Kolumbiens, und ist außerdem nicht weit entfernt vom Cocora-Tal, das die größten Palmen der Welt beherbergt.

Salento Ausblick Schild

In und um Salento gibt es eine Reihe von Kaffeefarmen, die du besichtigen und dort mehr über Herkunft, Anbau und Verarbeitung von Kaffee lernen kannst. Von unserem Besuch auf der Kaffeefarm von Don Eduardo alias Tim Edwards aus England habe ich im ersten Teil berichtet.

To-Do’s in Salento

Abgesehen vom Kaffee gibt es in Salento natürlich noch weitere tolle Dinge, mit denen du dich beschäftigen kannst. Das Cocora-Tal mit den riesigen Wachspalmen kannst du zum Beispiel in einer halbtägigen Wanderung bestaunen. Oder du reitest in die wunderschöne Umgebung Salentos aus – zum Beispiel zu einem kleinen versteckten Wasserfall.

Ausreiten mit Oscar

In Salento hörst du neben den knatternden Motorrädern auf den Straßen hauptsächlich eins: das Klappern von Pferdehufen. Es gibt zwei bekannte Anbieter, mit denen du einen Ausritt zu verschiedenen tollen Plätzen in der Umgebung von Salento machen kannst.

Unser Hostel Casa La Eliana arrangierte für uns einen dreistündigen Ausritt mit Oscar Julian. Oscar brachte die Pferde zur telefonisch vereinbarten Zeit zum Hostel und dann ging es auch schon los – runter vom Asphalt und rein in den Matsch.

Ausritt mit Oscar Julian in Salento

Wir ritten einen schmalen, matschigen, steinigen Weg entlang, der ungefähr 20 Minuten lang nur bergab führte. Für Patrick und mich als absolute Nicht-Reiter war das schon ziemlich spannend und vor allem anstrengend. Anschließend wurde der Weg aber breiter, mit mehr Gras und weniger Steinen, und die Pferde trabten gemütlich los.

Wir mussten ausgesehen haben wie zwei Marionetten, da oben auf den trabenden Tieren – nicht in der Lage, den Körper richtig unter Kontrolle zu kriegen. Wir ritten ca. eine Stunde durch wunderschöne Natur, durch Flüsse und über Berge. Unsere beiden Pferde waren total gehorsam und taten, was immer Oscar ihnen befahl.

Ausritt mit Oscar Julian in Salento

Ihre Rivalität konnten sie allerdings nicht komplett unterdrücken. Wir ritten meistens hintereinander her – und beide wollten natürlich vorne in der Reihe laufen. Patrick war von Anfang an vorne gewesen. Mein Pferd versuchte mehr als ein Mal, Patrick zu überholen, aber jedes Mal rannte auch Patricks Pferd sofort wieder los, so dass ich keine Chance hatte.

Außer das eine Mal, als Patricks Pferd am Anfang eines Tunnels falsch lief und sich plötzlich vor einem Zaun wiederfand. Ich war den richtigen Weg geritten und war schon halb durch den Tunnel, als Patrick von hinten angesaust kam. Den zweiten Platz ließ sein Pferd einfach nicht auf sich sitzen – das Spektakel war auf jeden Fall eins der Highlights des Ausritts.

Nach der einen Stunde kamen wir am Eingang zum Wasserfall an, stiegen von den Pferden ab und liefen die restlichen paar Meter zu Fuß. Der Wasserfall war zwar nicht super spektakulär, aber ganz nett anzusehen – und hauptsächlich ging es bei dem Ausritt ja auch um den Weg dorthin.

Ausritt mit Oscar Julian in Salento, Wasserfall

Nach ein paar obligatorischen Fotos ritten wir einen anderen Weg zurück und waren nach insgesamt zwei Stunden wieder am Hostel. Eigentlich hatten wir zwar drei Stunden vereinbart, aber die zwei Stunden waren anstrengend genug. Wir zahlten Oscar 30.000 Pesos pro Person, bedankten uns ganz herzlich und gingen mit schmerzenden Beinen erst mal ins Bett.

Wandern im Valle de Cocora

Das Cocora-Tal liegt eine etwa 30-minütige Fahrt von Salento entfernt. Vom Hauptplatz fahren regelmäßig Jeeps, die in Kolumbien Willys genannt werden. Der offizielle Fahrplan sagt, dass die Willys um 7:30 Uhr, 9:30 Uhr und 11:30 Uhr in Salento abfahren. Tatsächlich fahren sie aber immer, sobald sich acht Mitfahrer gefunden haben.

Salento Hauptplatz Willys

Nach kurvenreichen 30 Minuten und mit 3.400 Pesos pro Person weniger in der Tasche kommst du dann in Cocora an und kannst direkt los wandern. Es gibt eigentlich zwei mögliche Wege, die Umgebung zu erkunden. Patrick und mir war das bereits Bekannte aber zu langweilig – und deshalb fanden wir einen dritten Weg, auf dem uns während der ganzen Zeit nur zwei andere Menschen begegneten.

Natürlich fanden wir diesen dritten Weg nur aus Versehen und er war alles andere als spaßig. Wie sich im Nachhinein herausstellte, war der Weg sogar steiler als der klassische Rundweg, den die meisten Besucher gehen – dabei wollten wir den steilen Weg eigentlich umgehen.

Weg Nummer 1: die Runde

Die erste Möglichkeit, die Umgebung im Valle de Cocora zu erkunden, ist die klassische Runde, die die meisten Besucher gehen.

Valle de Cocora Karte Übersicht

Der Weg startet an einem Holztor, das ein paar Meter vom Parkplatz der Jeeps entfernt auf der rechten Seite ist (1 auf der Karte). Der Wanderweg führt von dort aus immer am Quindio-Fluss entlang, über diverse Hängebrücken (irgendwo musst du eine „Instandhaltungsgebühr“ von 2.000 Pesos bezahlen) und mit toller Aussicht bis zum Naturreservat Acaime (2 auf der Karte). Dort gibt es eine Finca, auf der du Kolibris beobachten und eine heiße Schokolade trinken kannst. Der Eintritt kostet 5.000 Pesos, dafür ist das Getränk inklusive.

Anschließend kommt der anstrengendste Teil der Wanderung, immer bergauf zum Aussichtspunkt La Montaña (3 auf der Karte). Von hier hast du einen tollen Blick ins Tal und kannst auf einer Bank gemütlich eine Pause machen und den unerbittlich bellenden Hund beobachten.

Ausblick La Montaña Valle de Cocora Salento

Nach dem anstrengenden Aufstieg geht’s ab La Montaña nur noch bergab. Und zwar mit dem atemberaubenden Ausblick auf die unzähligen Wachspalmen – die höchsten Palmen der Welt. Die Wachspalme ist der Nationalbaum Kolumbiens und verdankt seinen Namen der dicken Wachsschicht auf der Rinde.

Wachspalmen Valle de Cocora Salento

Insgesamt dauert der Rundweg je nach Schnelligkeit ungefähr fünf bis sechs Stunden.

Weg Nummer 2: gegen den Strom

Im Hostel empfahl uns der Besitzer, nicht die komplette Runde zu laufen, sondern gegen den Strom zu schwimmen. Er sagte, die ersten vier Kilometer am Fluss entlang seien Zeitverschwendung, das Naturreservat Acaime nur eine Finca und die Gebühr von 5.000 Pesos reine Abzocke.

Stattdessen empfahl er uns, einfach den letzten Teil des Rundwegs, entlang der Wachspalmen, bis zu La Montaña zu gehen, dort eine schöne Pause zu machen und anschließend auf dem gleichen Weg wieder zum Ausgangspunkt zurück zu laufen. So würden wir uns den ersten, nicht so schönen Teil entlang des Flusses sparen und müssten auch kein Geld bezahlen.

Wir entschieden uns, diesen Weg zu nehmen – und liefen direkt bei der ersten Möglichkeit falsch. So kamen wir zu Weg Nummer 3.

Weg Nummer 3: durch den Wald

Relativ nah am Parkplatz der Jeeps kommt eine Abzweigung, die nicht wirklich als solche zu erkennen ist. Zu den Wachspalmen und damit zum direkten, relativ einfachen Weg Richtung La Montaña geht es rechts rauf, an einem kleinen Zelt vorbei, vor dem ein Mann sitzt. Auf einem Plakat steht, dass hier 3.000 Pesos fällig werden, wenn du diesen Weg gehen möchtest. Ob das stimmt, weiß ich nicht, denn wir dachten, das wäre eine reine Abzocke und der Weg, den wir tatsächlich gingen, wäre der richtige.

Wir gingen nämlich einfach geradeaus – den breiten, teilweise noch geteerten Weg entlang. Wir kamen an einen Fluss, der ein Seitenarm des Quindio-Flusses sein muss, und überquerten ihn über eine kleine Hängebrücke. Und dann standen wir wortwörtlich im Wald.

Fluss Valle de Cocora Salento

Durch den Wald ging es weiter am Fluss entlang, über eine weitere, sehr versteckte Hängebrücke, und anschließend auf einem sehr unebenen, kleinen Weg steil den Berg rauf. Dass wir irgendwann bergauf müssen, um zu La Montaña zu kommen, war mir klar und ich war damit auch vollkommen einverstanden. Aber das steile Bergaufgehen nahm einfach kein Ende mehr.

Der Weg war super schmal, teilweise matschig und wir waren die ganze Zeit umgeben von dichtem Wald. Hatte der Mann im Hostel uns nicht gesagt, wir würde auf dem Weg gegen den Strom die ganze Zeit eine tolle Aussicht auf die Palmen haben? Wir hatten zwar Aussicht auf Bäume – die waren schließlich rechts und links jeweils 50 Zentimeter von mir entfernt – aber die Wachspalmen waren weit und breit nicht zu sehen.

Wald Valle de Cocora Salento

Nach etwa der Hälfte der Strecke, für die wir eineinhalb Stunden brauchten, hatte ich die Schnauze gestrichen voll. Es war heiß, ich schwitzte wie ein Schwein und war so aus der Puste, dass ich kaum mehr einen Fuß vor den anderen setzen konnte. Ich motzte und schnauzte und fluchte – wie ich das eben so mache, wenn ich keine Lust mehr habe.

Patrick nahm das alles stumm zur Kenntnis und bot mir an, dass ich umkehren und er den Rest des Weges alleine gehen könnte. Aber das wollte ich natürlich auch nicht. Also ging es die nächsten eineinhalb Stunden weiter motzend und fluchend und schreiend und schwitzend steil bergauf durch den dichten Wald.

Und dann waren wir da. Auf dem höchsten Punkt des Bergs. Und wir sahen nichts. Nur noch mehr Wald. Aber irgendwann musste doch endlich mal La Montaña kommen! Also gingen wir weiter – diesmal zum Glück bergab und mit etwas Wind. Als wir an ein Holztor kamen, an dem diverse Orte ausgeschildert waren, wurde uns dann schließlich klar, dass wir einen komplett anderen Weg gegangen waren, als wir eigentlich wollten. La Montaña war 400 Meter nach links, Cocora – von wo wir ja eigentlich hätten kommen sollen – ca. dreieinhalb Kilometer nach rechts.

Und der Weg, den wir gekommen waren? Der führte Richtung Kaskade. Einen Wasserfall hatten wir auf dem gesamten Gewaltmarsch allerdings nicht gesehen – vielleicht aber auch, weil wir mehr mit dem Berg beschäftigt waren. Die letzten 400 Meter zur Montaña gingen wir dann noch mal bergauf, bevor wir dort eine lange Pause machten und anschließend den Rückweg entlang der Wachspalmen in Angriff nahmen.

Wachspalmen Valle de Cocora Salento

Endlich haben wir die Wachspalmen gefunden!

Dank der Aussicht von La Montaña und dem tollen Weg zurück nach Cocora waren die Strapazen des Hinwegs natürlich schnell vergessen – zum Glück für Patrick, denn ich war wieder ansprechbar.

Über den Autor

Mona

Früher saß ich den ganzen Tag im Büro am Schreibtisch - heute bin ich angehende Weltenbummlerin, Fotografin, Texterin, Geschichtenerzählerin und Reiseplanerin.
In diesem Blog erzähle ich die Geschichten, die mein Freund Patrick und ich auf unserer Weltreise erleben - und gebe Tipps zur richtigen Vorbereitung einer Langzeitreise und zu einzelnen Reisezielen.

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