Laos – das unbekannte Land mit den Millionen „Bombies“

Vientiane COPE Visitor Centre

Ich finde, Laos ist ein Land, dem viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Hier gibt es wunderschöne Natur, herzensgute Menschen und leckeres Essen – und Millionen von „Bombies“, ein Überbleibsel aus dem Vietnamkrieg. Geschätzte 80 Millionen der insgesamt 260 Millionen tennisballgroßen Bomblets, die zwischen 1964 und 1973 über Laos abgeworfen wurden, sind nicht explodiert und gefährden bis heute das Leben der Laoten.

Ich muss zugeben, ich kannte Laos nicht wirklich, als wir uns von Thailand aus auf den Weg dorthin machten. Ich hatte keine Ahnung, was mich dort erwarten würde. Das Einzige, von dem ich gehört hatte, war das exzessive Party-Tubing in Vang Vieng. Aber das existiert ja zum Glück in dieser Form seit einiger Zeit auch nicht mehr.

Von Laos positiv überrascht

Der Vorteil, wenn du keine Ahnung von einem Land hast ist, dass du eigentlich nur positiv überrascht werden kannst. Und Laos fing direkt am ersten Tag mit den Überraschungen an. Die Fahrt mit dem Slowboat auf dem Mekong von Huay Xai nach Luang Prabang war einfach nur atemberaubend.

Laos Mekong Slowboat

Auch Luang Prabang, ihres Zeichens UNESCO Weltkulturerbe, hat mich überrascht. Die Stadt ist im französischen Kolonialstil erbaut und dadurch ganz anders als andere asiatische Städte. Der französische Einschlag macht sich auch beim Essen bemerkbar – hier gibt es an jeder Ecke frische Baguettes. Außerdem liegt etwas außerhalb der Stadt der Kuang Si Wasserfall – einer von insgesamt lediglich zwei Wasserfällen, die mich bisher wirklich beeindruckt haben.

Laos Kuangsi Waterfall Luang Prabang

Die Folgen des Vietnamkriegs: „Bombies“ sind überall

Aber ich hatte nicht nur keine Ahnung von der wunderschönen laotischen Natur, sondern wusste auch nichts über die Geschichte des Landes.

Während des Vietnamkriegs warfen die US-Amerikaner in geschätzten 580.000 Missionen etwa 260 Millionen sogenannte „Bombies“ über Laos ab. „Bombies“ sind tennisballgroße, mit Sprengstoff und mehreren hundert kleinen Kügelchen gefüllte Minibomben, die durch Clusterbomben verteilt wurden. Knapp ein Drittel der abgeworfenen Bomben detonierte nicht und bringt das Leben der Laoten bis heute in Gefahr.

Vientiane COPE Visitor Centre

Die kleinen Bomben sind einfach überall. Ob in den Wäldern, auf den Reisfeldern oder im Garten hinter’m Haus – die Menschen können nie sicher sein, dass nicht doch noch irgendwo ein „Bombie“ vergraben liegt, das bei der nächsten Erschütterung explodiert. Besonders gefährdet sind Kinder, die mit den Bomben spielen wie mit harmlosen kleinen Bällen.

Aufklärung im COPE Visitor Centre in Vientiane

Es wird geschätzt, dass noch heute ca. 300 Menschen im Jahr durch die Bomben verletzt oder getötet werden. Das COPE Visitor Centre in Vientiane klärt die Besucher in einer kostenlosen Ausstellung über die Folgen des „geheimen Krieges“ auf.

Vientiane COPE Visitor Centre

COPE ist eine non-profit Organisation, die sich um durch „Bombies“ Verletzte kümmert und sie mit Prothesen und Rehabilitationsmaßnahmen versorgt. Die Ausstellung im COPE Visitor Centre ist zwar nicht sehr groß, dafür aber umso beeindruckender. Eine große Anzahl an „Bombies“ ist dort ausgestellt und die Besucher können sich eine ganze Reihe verschiedener Dokumentarfilme angucken, die die Schicksale einzelner sowie der gesamten Bevölkerung von Laos zeigen.

Besonders interessant fand ich einen Dokumentarfilm, der Freiwillige aus der ganzen Welt zeigt, die jedes Jahr hunderttausende von „Bombies“ aufspüren und entschärfen, um das Risiko weiterer Verletzter zu minimieren. Laos ist eines der ärmsten Länder der Welt und die Entwicklung wird durch die Lebensgefahr, die von den Blindgängern ausgeht, sehr stark behindert. Viele Teile des Landes können nicht für Landwirtschaft oder Tourismus genutzt werden – und dabei hat Laos mit seiner Landschaft, seinen Wasserfällen und Regenwäldern so viel zu bieten.

Die Laoten ziehen aber auch etwas Positives aus der Bombardierung. Sie nutzen das Altmetall der Bomben, um daraus Gegenstände des alltäglichen Lebens zu machen. Aus den Bomben entstehen Besteck, Töpfe, Boote und sogar Stahlträger – oder der Kriegsschrott wird zu Dekorationszwecken genutzt.

Vientiane COPE Visitor Centre

Und obwohl sie täglich der Gefahr ausgesetzt sind, die von den Blindgängern ausgeht, haben die Menschen in Laos immer ein Lächeln auf den Lippen.

Über den Autor

Mona

Früher saß ich den ganzen Tag im Büro am Schreibtisch - heute bin ich angehende Weltenbummlerin, Fotografin, Texterin, Geschichtenerzählerin und Reiseplanerin.
In diesem Blog erzähle ich die Geschichten, die mein Freund Patrick und ich auf unserer Weltreise erleben - und gebe Tipps zur richtigen Vorbereitung einer Langzeitreise und zu einzelnen Reisezielen.

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