VIP oder NichtVIP, das ist hier die Frage – Kurzgeschichte über eine Busfahrt in Laos

Luang Prabang VIP Busticket

Nach sechs Tagen in Luang Prabang hieß es auch schon wieder Abschied nehmen.

Wir wollten mit dem Nachtbus weiter nach Vientiane fahren – ein Besuch in der Hauptstadt durfte natürlich nicht fehlen. Auf der Strecke von Luang Prabang nach Vientiane fährt leider kein Slowboat, aber Nachtbusse kannten wir ja mittlerweile zu Genüge – sowohl in Südafrika als auch in Thailand hatten wir damit nur gute Erfahrungen gemacht. In Laos sollte sich das allerdings ändern.

Wir ließen uns nicht lumpen und kauften Tickets für den VIP-Bus. Wir hätten auch einen Sleeping-Bus nehmen können, aber da wir gelesen hatten, dass die Doppelbetten im Sleeping-Bus nur 80 cm breit und 1,70 m lang sind, entschieden wir uns für’s Sitzen.

Luang Prabang VIP Busticket

VIP-Bus klingt doch auch toll. Und die VIP-Busse in Thailand waren super bequem und da konnten wir auch fast liegen. Voller Vorfreude auf eine 10-stündige Fahrt, die eigentlich nur aus Kurven besteht, stiegen wir am Busbahnhof aus dem Tuk Tuk, das uns an unserem Guesthouse abgeholt hatte – sogar fast pünktlich!

Ist das wirklich ein VIP-Bus?

Von außen sah der Bus nicht besonders modern oder luxuriös aus. Aber nach mehrmaligem Nachfragen und von A nach B geschickt werden, um unsere Quittung gegen ein richtiges Ticket zu tauschen, war klar, dass nur das unser Bus sein konnte. Also stiegen wir ein.

Patrick war nach wie vor skeptisch – der Bus sah von innen noch weniger nach VIP aus als von außen. Wobei wir sowieso nicht besonders viel erkennen konnten, weil das Licht im Bus kaputt war. Der Fernseher war nur eine leere Versprechung. Aber das Unterhaltungsprogramm in asiatischen Bussen ist eh zum Heulen – so hatten wir wenigstens Ruhe. Zumindest, bis der Bus losfuhr. Der Motor machte akustisch nicht mehr den besten Eindruck – und das Fenster, an dem wir saßen, schloss auch nicht richtig.

Luang Prabang VIP Bus TV

Ich machte mir nicht besonders viele Gedanken darüber. Das hier ist Laos, vielleicht sehen die Busse hier ja alle so aus. Wir fuhren pünktlich – also eine halbe Stunde zu spät – in Luang Prabang los. Es regnete in Strömen und ich hatte nicht das Gefühl, dass der Fahrer besonders viel sehen konnte. Aber dank der eingeworfenen Reisetablette war ich schon im Scheißegal-Modus.

Abenteuer Nachtbusfahrt

Kurz nach der Abfahrt kamen auch schon die Kurven. Und mit den Kurven die Kotzerei der Asiaten. Wir hatten auf dem Slowboat nach Luang Prabang zwei Leute kennengelernt, die schon alte Hasen waren, was das Reisen in asiatischen Bussen betraf. Und die waren ganz erstaunt, als wir sagten, in unseren Bussen hätte noch nie jemand gekotzt. „Das wird schon noch kommen“, hatte Kristina gesagt. Und so kam es dann auch, schneller als erwartet.

Grundsätzlich kann ich mit so was ganz gut umgehen – aber in dem Bus musste selbst ich mich abschotten, um den Geräuschen zu entkommen. Also hieß es, Musik auf die Ohren und nicht mehr drüber nachdenken, was ein paar Reihen hinter uns passierte. Leider hilft Musik nicht gegen Gerüche.

An Schlaf war während der gesamten Busfahrt nicht zu denken. Wir konnten die Sitze zwar ein bisschen verstellen, aber zu den Kurven gesellte sich regelmäßig auch die lautstarke Hupe des Busses – die ich sogar durch meine Kopfhörer hörte. Der Fahrer hupte ständig – ob beim Überholen, vor unübersichtlichen Kurven oder einfach nur, weil er es konnte. Mit der Hupe wurden auch Pinkelpausen signalisiert, weil das Licht im Bus ja kaputt war.

Ich finde, jeder sollte mal mit einem asiatischen Nachtbus fahren – alleine wegen der Pinkelpausen. Gehalten wurde grundsätzlich an verlassenen Orten mitten im Nirgendwo, an denen irgendjemand aus unerfindlichen Gründen ein paar Toiletten hingebaut hatte. Da aber immer viel mehr Leute auf’s Klo mussten, als Toiletten zur Verfügung standen, und wir nie wussten, wann der Bus weiterfahren würde, rannte die Hälfte der Leute auf die andere Straßenseite und hockte sich hin – ich natürlich auch. Es war ja eh stockdunkel, also konnte sowieso niemand was erkennen. Und auf diese Weise musste ich wenigstens nicht die ekelhafte Tür zum Klo anfassen. Diese Türen jagen mir jedes Mal einen Schauer über den Rücken.

Nach diversen sehr kurzen Pinkelpausen gab es dann nach knapp sechseinhalb Stunden Fahrt eine etwas längere Pause auf einem Parkplatz. Und neben uns hielt plötzlich der Sleeping-Bus aus Luang Prabang. Wie toll der aussah! Total modern, drinnen gab’s Licht und die Menschen sahen in ihren gar nicht so klein anmutenden Betten total zufrieden aus. Und wir hatten sage und schreibe 2 € gespart, um in unserem VIP-Bus zu sitzen.

Luang Prabang VIP Bus or not?

Nein, es ist kein VIP-Bus.

Dass der Bus gar kein VIP-Bus war, merkte ich erst so richtig, als es hell wurde. Da konnte ich mich dann mal umgucken und musste feststellen, dass in dem Bus außer uns und zwei anderen Deutschen nur Asiaten saßen. Die Tür wurde von einem Mann, den ich für den zweiten Fahrer gehalten hatte, an einem dünnen Seil zugehalten, weil sie nicht mehr schloss. Und auf unseren Tickets stand, wir bekämen was zu Essen und zu Trinken – was natürlich nicht der Fall war.

Luang Prabang VIP Bus Door

Nach laotischen zehn Stunden Fahrt, also tatsächlichen 13 Stunden, kamen wir endlich am Northern Busterminal in Vientiane an. Das Busterminal liegt natürlich weit außerhalb der Stadt, weshalb schon wieder unzählige Tuk Tuk-Fahrer auf uns stürmten, um uns für 20.000 Kip (ca. 2 €) pro Person ins Zentrum zu bringen. Wir entschieden uns dann lieber für den Linienbus, der nur 5.000 Kip pro Person kostet.

Vorher mussten wir aber an unsere Rucksäcke kommen, die irgendwo in den Katakomben des Schrottbusses lagen. Der Mann, der die ganze Fahrt über die Tür gehalten hatte, war auch für das Gepäck verantwortlich – zu mehr war dieser Typ aber auch nicht in der Lage. Während wir also warteten, dass er das ganze Gepäck auslud, konnte ich mir den Bus auch von außen mal etwas genauer angucken.

Luang Prabang VIP Bus or not?

Der blau-weiße Bus ist unserer, nicht der rote!

Die Leute hatten es nicht mal für nötig gehalten, ein selbst gemaltes VIP-Schild vorne in den Bus zu legen, um uns wenigstens glauben zu lassen, wir wären mit dem Bus gefahren, für den wir bezahlt hatten. Das ließ meine Stimmung, die eh schon im Keller war, nur noch weiter sinken. Und als wir endlich unsere komplett durchnässten Rucksäcke auf dem Rücken hatten, ging es sehr sehr schlecht gelaunt mit dem Linienbus in die Stadt.

Nächstes Mal sollte ich kurz vor der Ankunft vielleicht noch eine Tablette einwerfen, damit mein Scheißegal-Modus erhalten bleibt. In Zukunft nehmen wir jedenfalls den Sleeping-Bus – auf die 2 € mehr kann ich sogar ohne Tablette sch***en.

Über den Autor

Mona

Früher saß ich den ganzen Tag im Büro am Schreibtisch - heute bin ich angehende Weltenbummlerin, Fotografin, Texterin, Geschichtenerzählerin und Reiseplanerin.
In diesem Blog erzähle ich die Geschichten, die mein Freund Patrick und ich auf unserer Weltreise erleben - und gebe Tipps zur richtigen Vorbereitung einer Langzeitreise und zu einzelnen Reisezielen.

2 Kommentare

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  • Schreibe gerade meine Weltreiseerinnerung noch einmal detaillierter auf und habe bei meiner Recherche nach dem Preis des Tickets deinen Blogeintrag gefunden. Wirklich herrlich, ich fühle mich bei deiner Erzählung zurückversetzt in das eigene Erlebnis meiner Busfahrt. Allerdings habe ich mir nicht einmal die 2 Dollar gespart, weil ich bei einem Reisebüro gebucht habe, das mir für den Shuttle und die Organisation dementsprechend aufgeschlagen hatte.

    Ich möchte dich allerdings noch über das inkludierte Essen aufklären (falls es dich ein Jahr später noch interessieren sollte): bei dem längeren Aufenthalt hält man bei einem Restaurant, wo man sein Essen serviert bekommt. Allerdings habe ich das erst danach bemerkt, da ich gar nicht erst aufgestanden war, weil ich mich so gefreut habe, dass der Bus mal nicht so holpert und Ruhe herrschte. Außerdem war es ungefähr 2 Uhr nachts, noch ein Grund mehr, es nicht geschafft zu haben, mich aufzuraffen.
    Ich habe mich nämlich auch dauernd geärgert, weil ich extra nicht so viel gegessen habe und somit wirklich Hunger hatte.

    so jetzt werde ich noch ein bisschen weiter in deinem Blog stöbern.
    LG

    • Hallo Christina,

      danke für die Info! Ist für zukünftige Reisende auf jeden Fall gut zu wissen, was sich hinter dem inkludierten Essen verbirgt 😉

      Viele Grüße,
      Mona

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