Am Rande der Illegalität – auf dem Schwarzmarkt in Buenos Aires

Geld tauschen Pesos Dollar Argentinien

Wir haben gegen das Gesetz verstoßen.

Wir wechselten auf dem Schwarzmarkt Geld und hatten so knapp 60% mehr Bares zur Verfügung als beim Geldwechseln zum offiziellen Kurs. Das ist zwar illegal, aber jeder macht es. Und niemand wird dafür belangt. In Argentinien werden illegale Handlungen eben nicht so eng gesehen.

In der Calle Florida in Buenos Aires kannst du an jeder Ecke US-Dollar oder Euro schwarz zu Argentinischen Pesos machen. Oder viel mehr blau, denn der Dollar wird hier als „Blue Dollar“ gehandelt. Alle paar Meter schreit dir jemand das Wort „cambio“ – also „wechseln“ – entgegen. Man sollte meinen, dass illegale Handlungen etwas diskreter ablaufen. Aber nicht in Argentinien – da wird das einfach so rumposaunt.

Nachdem wir drei verschiedene Angebote eingeholt hatten, entschieden wir uns für einen jungen Mann, der mindestens einen Kopf kleiner war als ich – und somit nicht sehr gefährlich erschien. Er bot uns einen Wechselkurs von 14,5 für USD an – der offizielle Kurs lag zu der Zeit bei 9.

Wir willigten ein und der kleine Mann gab uns zu verstehen, dass wir ihm unauffällig folgen sollten. Das läuft dann also doch ein wenig diskreter ab. Wir folgten ihm ein paar 100 Meter über die Calle Florida und blieben plötzlich in einem ganz normalen Hauseingang stehen. Der Mann drückte eine wilde Kombination von Tasten und nach kurzer Zeit ertönte der Summer und die Tür ging auf.

Ich hatte natürlich vorher schon Geschichten gehört. Von Hinterzimmern in Kioscos und geheimen Türen in Läden, die Handyhüllen verkaufen. Aber niemand hatte von einer Privatwohnung erzählt. Wir gingen in den ersten Stock und begegneten auf dem Weg zwei Hausbewohnern, die uns etwas seltsam ansahen. Ich machte mir nicht allzu viele Gedanken – schließlich waren wir zu dritt und der kleine Mann (noch) ganz alleine.

Im ersten Stock angekommen, klopfte der kleine Mann an eine Tür. Ich fragte mich, ob dahinter jemand mit einem Baseballschläger auf uns wartet. Tatsächlich wartete hinter der Tür aber nur ein winziges, stickiges, unerträglich heißes Zimmer auf uns, in das gerade mal zehn Leute passten. Es waren schon zwei andere Menschen dort, aber niemand hatte einen Baseballschläger. Es waren nur ein anderer Schlepper, der einen weiteren Tourist zum Geldwechseln hergebracht hatte.

Von dem kleinen Zimmerchen ging eine Tür zu einem weiteren Zimmer ab. Da wurde also das Geld gewechselt – nur gerade leider nicht, denn aktuell wurde nur Geld gezählt. Also warteten wir. Und während wir warteten, kamen drei weitere Schlepper mit weiteren freiwilligen Illegalen an die Tür – und durften draußen warten.

Nach einer gefühlten Ewigkeit war der Mensch im anderen Zimmer mit dem Geldzählen fertig – und dann ging alles ganz schnell. Der Tourist vor uns war innerhalb von 30 Sekunden wieder draußen und wir waren an der Reihe. Wir hatten 200 USD in 50ern dabei. Der Geldwechsler, der hinter einer Scheibe saß und nur ein kleines Fensterchen zum Tauschen der Scheine hatte, rechnete uns am Taschenrechner vor, wie viel Pesos wir dafür bekommen, während unser Schlepper die ganze Zeit daneben stand.

Zuerst zählte der Geldwechsler das Geld und jagte es anschließend durch die Zählmaschine, dann durften wir auch noch mal nachzählen. Die Summe stimmte – und bei der stichprobenartigen Kontrolle der Echtheit der Scheine fiel uns auch nichts Ungewöhnliches auf. Und so marschierten wir eine Minute später mit einem ganzen Haufen Argentinischer Pesos wieder aus der Wohnung – begleitet vom kleinen Mann, der uns bis zur Haustür brachte und uns nett verabschiedete.

So einfach ist es also, (nichts) Illegales zu tun.

Hier ein paar Tipps für den perfekten Schwarzmarkt-Deal:

  • Informier dich im Internet über den aktuellen Blue Dollar Kurs.
  • Hol verschiedene Angebote auf der Straße ein – wenn das Angebot zu weit vom aktuellen Kurs abweicht, lehn dankend ab. Entweder der Anbieter fragt dann, welchen Kurs du dir vorstellst, oder er sagt nett auf Wiedersehen.
  • Nimm möglichst große Scheine zum Wechseln mit – 50er und 100er kriegen den besten Kurs, bei kleineren Scheinen musst du Abstriche machen.
  • Wechsel möglichst große Summen – unter 100 USD wird der Kurs schlechter.
  • Kontrollier die Peso-Scheine stichprobenartig anhand der Sicherheitsmerkmale. Die Scheine haben ein Wasserzeichen und einen durchgehenden Silberstreifen – beides siehst du nur, wenn du den Schein gegen das Licht hältst. Beim alten 100-Peso-Schein ist der rechte Kragen des abgebildeten Herrn geriffelt – du kannst ihn also mit dem Fingernagel fühlen. Beim neuen 100-Peso-Schein gilt gleiches für die Haare von Evita.

Über den Autor

Mona

Früher saß ich den ganzen Tag im Büro am Schreibtisch - heute bin ich angehende Weltenbummlerin, Fotografin, Texterin, Geschichtenerzählerin und Reiseplanerin.
In diesem Blog erzähle ich die Geschichten, die mein Freund Patrick und ich auf unserer Weltreise erleben - und gebe Tipps zur richtigen Vorbereitung einer Langzeitreise und zu einzelnen Reisezielen.

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