Auf den Spuren des Tasmanischen Teufel – Road-Trip durch Tasmanien

Tasmania Map

„Hast du denn in Tasmanien auch den Tasmanischen Teufel gesehen? Der ist bestimmt süüüüß!“

Als ich nach 3 Wochen von meiner Australien-Reise zurück nach Hause kam war das fast immer die erste Frage, die mir gestellt wurde. Ja, ich habe ihn gesehen. Und nein, er ist nicht süß. Der Namensgeber wird sich gut überlegt haben, warum er ihn „Teufel“ genannt hat. Aber dazu später mehr. Vorher erzähle ich dir von meinem Road-Trip durch Tassie.

Silvester in der Sonne. Das wollte ich schon immer mal erleben. Im Dezember 2011 war meine Freundin Katharina dann glücklicherweise mal wieder auf einem Trip durch Australien und ich habe die Gelegenheit genutzt, sie zu besuchen. Kurz nach Weihnachten ging es los von Frankfurt über Shanghai nach Melbourne und dann direkt weiter nach Tasmanien.

1. Etappe: Devonport – Scottsdale

Die erste Nacht verbrachten wir bei Katharinas Familie in Devonport. Dort haben wir den Trip grob geplant und uns dann am nächsten Tag, dem 31.12.2011 sofort auf den Weg gemacht. Auto und Zelt hatten wir uns von einem Freund geliehen. Bevor es losging, deckten wir uns im Supermarkt noch mit genügend Bier und Lebensmitteln für 4 Tage ein.

Das erste Ziel sollte Bridport sein, wo wir auf einem angesagten Campingplatz direkt am Wasser Silvester feiern wollten. Nach knapp 2 Stunden Fahrt kamen wir am Nachmittag in Bridport an und mussten feststellen, dass auf dem Campingplatz kein einziger Platz mehr für unser Zelt frei war. Wie sich hinterher rausstellte, war das aber gar nicht so schlecht. Am nächsten Tag stand in der Zeitung, dass auf dem Campingplatz Ausnahmezustand herrschte und teilweise sogar Leute verletzt wurden.

Also fuhren wir weiter von Bridport nach Scottsdale, weil das die nächstgelegene Stadt war und wir sowieso keine Chance mehr auf Silvester am Meer hatten. In Scottsdale fanden wir einen kleinen Campingplatz direkt an der Straße, auf dem nur eine Handvoll Zelte und Caravans standen. Es dämmerte schon und wir mussten uns beeilen, unser Zelt aufzubauen, weil wir nur eine sehr kleine Taschenlampe dabei hatten. Letztlich war die Sonne aber doch schneller weg als gedacht und wir mussten die Scheinwerfer unseres Autos für den Aufbau nutzen.

Zum Silvester-Mahl sollte es Burger geben. Auf fast jedem Campingplatz in Australien gibt es ein paar Grills, die per Münzeinwurf funktionieren. Leider sind die Grills aber nicht immer mit Licht ausgestattet und so wurde uns die Dunkelheit und unsere kleine Taschenlampe zum Verhängnis. Im Stockdunkeln Tomaten schneiden und Burger grillen ist gar nicht so einfach. Und die Batterie der Taschenlampe war auch nicht mehr die Neueste…

Grillen in Scottsdale

Ein anderer Camper hatte nach einer Weile Mitleid mit uns und hat uns einen großen Strahler aufgestellt, den er in seinem Wohnwagen dabei hatte. In Australien sind übrigens immer alle Menschen sehr freundlich und hilfsbereit.

Nach dem Festmahl haben wir uns mit einem Bier ins Auto gesetzt und Radio gehört, bis es 00:00 Uhr war. Danach sind wir direkt ins Bett gegangen, um am nächsten Tag früh weiter fahren zu können. Das war eines der kürzesten, aber auch schönsten Silvester, die ich je erlebt habe.

2. Etappe: Scottsdale – Bicheno

Am nächsten Morgen wurde es sehr früh hell und entsprechend warm im Zelt. Ich bin eigentlich ein Langschläfer, aber um 7:00 Uhr waren wir hellwach. Also haben wir das Zelt wieder eingepackt und uns auf den Weg zum Bay of Fires gemacht. Hier wollten wir den Neujahrstag am Strand verbringen.

Das Bay of Fires liegt an der Nordostküste Tasmaniens und ist bekannt für seine schneeweißen Sandstrände und das klare, azurblaue Wasser. Den Namen hat die Bucht übrigens von einem Kapitän, der von seinem Schiff aus Feuer am Strand gesehen hat. Der Name könnte aber genauso gut von den rostroten Flechten kommen, die auf fast allen Felsen in der Bucht zu finden ist.

Bay of Fires

Ich konnte mir nichts Schöneres vorstellen, als Neujahr an diesem Strand zu verbringen. Wir fuhren bis St. Helens auf dem Highway und dann bis zum Bay of Fires an der Küste entlang. Die Fahrt war schon atemberaubend, aber als wir erst mal angekommen waren, konnte ich nichts mehr sagen. So einen Strand hatte ich noch nie gesehen. Kilometerlang. Im Nichts. Ohne Menschen. Schneeweiß. Fantastisch! Hier verbrachten wir fast den ganzen Tag bei mehr als 30 Grad Celcius.

Bay of Fires

Bay of Fires

Am Nachmittag machten wir uns wieder auf den Weg, um einen Campingplatz für die Nacht ausfindig zu machen. Fündig wurden wir in Bicheno. Dort gab es nicht nur Plätze für Zelte, sondern auch feste Hütten, die man mieten konnte, wenn man selbst kein Zelt und keinen Wohnwagen dabei hatte. Sehr praktisch für Menschen wie mich, die eine grundsätzliche Abneigung gegen Campen haben. Da wir aber unser eigenes Zelt dabei hatten und Katharina mich vorher tagelang überreden musste, dass wir überhaupt zelten, wollte ich dann nicht so sein und habe das Ganze wieder über mich ergehen lassen. Immerhin hatten wir eine Luftmatratze und mussten nicht auf unbequemen Isomatten schlafen.

Campen in Bicheno

3. Etappe: Bicheno – Triabunna

Am nächsten Tag war der Besuch von Wineglass Bay geplant. Der Strand liegt im Freycinet Nationalpark und soll einer der 10 schönsten Strände der Welt sein. Das durfte ich mir natürlich nicht entgehen lassen!

Wir fuhren von Bicheno zum Nationalpark und parkten das Auto auf dem Parkplatz am Eingang des Parks. Eigentlich hatten wir geplant, nach einem weiteren Tag am Strand im Nationalpark zu zelten. Das haben wir dann aber doch verworfen und haben unsere Camping-Ausrüstung im Auto gelassen. Eine wirklich gute Entscheidung, wie sich später herausstellte!

Denn der Weg zum Strand ist ein ganzes Stück Arbeit. Er besteht aus 2 Etappen: Die erste Etappe geht stetig bergauf durch die Wälder des Nationalparks. Der 1,3 Kilometer lange Weg durch die so genannten Hazards ist teilweise sehr steil und kurvig. Für mich war dieses erste Stück bei 30 Grad im Schatten das anstrengendste, weil es ununterbrochen bergauf ging. Belohnt wurden wir dann aber mit dem spektakulären Ausblick auf Wineglass Bay von der Aussichtsplattform, die wir für eine kurze Pause nutzten.

Wineglass Bay Aussichtsplattform

Die zweite Etappe geht dann weiter durch die Hazards Richtung Wineglass Bay, diesmal zum Glück die ganze Zeit bergab. Der Weg ist etwas kürzer und unterwegs sind uns allerlei Bewohner des Nationalparks begegnet. Ich fand es atemberaubend, dass dort die Tiere einfach so am Rand des Weges sitzen und sich scheinbar gar nicht für die vielen Menschen interessieren.

Känguruh Wineglass Bay

Nach etwa einer halben Stunde erreichten wir dann endlich den Strand und wurden dort auch direkt von einem weiteren Känguru begrüßt. Der Strand ist wirklich schön, aber für mich persönlich war der Strand am Bay of Fires viel schöner. Vielleicht sollte die Wahl der 10 schönsten Strände der Welt einmal überarbeitet werden. Es kann aber auch sein, dass Wineglass Bay wegen des Wetters nicht so super war, wie ich erwartet hatte. Es war ziemlich windig und der Sand peitschte uns die ganze Zeit ins Gesicht.

Cangaroo Wineglass Bay

Nach etwa einer Stunde entschieden wir deshalb, uns wieder auf den Weg zu machen. Wir wollten weiter zum Hazards Beach, der auf der anderen Seite des schmalen Halses der Hazards liegt. Der Weg zum Hazards Beach ist flach und umgeben von wunderschöner, unberührter Natur. Nach etwa einer halben Stunde erreichten wir den goldfarbenen Hazards Beach und gönnten uns hier eine weitere kleine Auszeit.

Weg Hazards Beach

Hazards Beach

Anschließend machten wir uns auf den Weg zurück zum Auto. Der Weg führt erst nordwärts am Hazards Beach entlang, bevor es auf einen 5,5 Kilometer langen Weg geht, der an der Küste entlang führt. Die Bezeichnung „Weg“ ist dabei eher unpassend, denn tatsächlich mussten wir hier über Felsen klettern, um voran zu kommen. Einen Weg im eigentlichen Sinne gibt es nicht.

Hazards Beach TasmanienInsgesamt ist der Weg 11 Kilometer lang und gehört zu den Routen für eine halbtägige Wanderung. Es war zwar anstrengend, aber dafür wurden wir auch mit wunderschönen Einblicken in die Natur Tasmaniens belohnt.

Ich war trotzdem froh, dass wir unser Zelt nicht mitgenommen hatten und deshalb zurück zum Auto mussten, um uns anschließend eine Unterkunft für die Nacht zu suchen. Diesmal hatte ich mich durchgesetzt und wir haben uns entschlossen, ein Zimmer in einem Motel zu nehmen. 2 Nächte campen hatten mir gereicht.

Wir fuhren nach Swansea, die nächste größere Stadt am Freycinet Nationalpark. Leider waren dort schon alle Zimmer ausgebucht. Deshalb sind wir den Tasman Highway weiter zum nächsten Ort gefahren: Triabunna. Der Ort war um 19:00 Uhr bereits wie ausgestorben, aber wir fanden ein Motel, das noch ein Zimmer frei hatte. Nach dem Check-In machten wir uns auf die Suche nach etwas Essbarem und hatten Glück, dass die scheinbar einzige Pommesbude, die zu einer Tankstelle gehörte, noch offen hatte. Nach unserer Bestellung machte die Bude allerdings auch zu  – vielleicht hatten sie ihr Soll für diesen Tag mit uns erreicht.

Triabunna Sonnenuntergang

4. Etappe: Triabunna – Tullah

Nach einer erholsamen Nacht im Motel fuhren wir weiter Richtung Hobart. Auf Großstadtfeeling hatten wir aber nicht wirklich Lust, weshalb wir durch Hobart durch und weiter Richtung Westküste fuhren. Unser Ziel war noch unklar – wir wollten an der Westküste entlang wieder nach Norden fahren.

Die Fahrt war spektakulär langsam. Wir fuhren teilweise durch so steile Serpentinen, dass wir nicht schneller als 10 km/h fahren konnten. Viele tote Kängurus lagen am Straßenrand oder mitten auf der Straße – ein eher unschöner Anblick.

Nach einigen Stunden Fahrt erreichten wir den kleinen Ort Tullah, dessen Namen wir so toll fanden, dass wir beschlossen, hier eine Unterkunft für die Nacht zu suchen. Die Möglichkeiten waren nicht besonders groß – eigentlich gab es nur ein einziges Motel, das für uns in Frage kam: die Tullah Lakeside Lodge. Wir buchten ein Zimmer mit Etagenbett und gönnten uns nach dem Check-In erst mal ein Bier mit einem wunderbaren Ausblick auf den See.

Tullah Lakeside Lodge

Tullah Lakeside Lodge

Am letzten Tag unseres Road-Trips fuhren wir direkt von Tullah nach Sisters Beach. In Sisters Beach hatte Katharinas Onkel ein Strandhaus, in dem wir weitere 6 Tage verbringen wollten, bevor es zurück nach Devonport ging.

Eigentlich wollten wir unterwegs am Lake Dove am Cradle Mountain halten und eine Wanderung um den See machen. Das Wetter spielte aber nicht mit und deshalb entschieden wir, die Wanderung zu vertagen und direkt nach Sisters Beach zu fahren.

Zurück nach Cradle Mountain ging es dann am übernächsten Tag, nachdem wir uns einen ganzen Tag lang nur am Strand ausgeruht hatten. Die Idee mit dem Vertagen war gut, das Wetter spielte mit, als wir zum Lake Dove aufbrachen. Aber kaum dort angekommen, fing es wieder an zu regnen. 6 Kilometer im Regen um einen See wandern ist so ziemlich das Bescheuertste, was ich je erlebt habe.

Road Trip Tasmania

Insgesamt sind 4 Tage eine gute Zeit, um Tasmanien mit dem Auto zu erkunden. Mit einem Zelt im Gepäck findest du auf jeden Fall immer eine Übernachtungsmöglichkeit. Grundsätzlich brauchst du dich nicht vorher um Campingplätze oder Motels kümmern. Die laufen dir unterwegs zu Hauf über den Weg.

Und wo waren die Tasmanischen Teufel?

Was uns unterwegs allerdings nur ein einziges Mal über den Weg gelaufen ist war der Tasmanische Teufel. Einen einzigen haben wir über die Straße huschen sehen, als wir Richtung Tullah gefahren sind. Deshalb haben wir uns später, als wir zurück in Devonport waren, im Tierpark noch mal auf die Suche nach den kleinen Teufeln gemacht und wurden fündig.

Beutelteufel

Beutelteufel

Die Tiere sind eigentlich nachtaktiv. Daher hatten wir Glück, dass wir sie im wachen Zustand zu Gesicht bekamen. Süß sind die Teufel aber wirklich nicht. Häufig sind sie an der Devil Facial Tumour Disease erkrankt und haben deshalb Tumore im Gesicht und am Körper. Außerdem sind die Tiere eher gehässig und schreien eigentlich den ganzen Tag. Kängurus gefallen mir auf jeden Fall besser.

Hast du schon mal einen Road-Trip durch Tasmanien gemacht? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

Über den Autor

Mona

Früher saß ich den ganzen Tag im Büro am Schreibtisch - heute bin ich angehende Weltenbummlerin, Fotografin, Texterin, Geschichtenerzählerin und Reiseplanerin.
In diesem Blog erzähle ich die Geschichten, die mein Freund Patrick und ich auf unserer Weltreise erleben - und gebe Tipps zur richtigen Vorbereitung einer Langzeitreise und zu einzelnen Reisezielen.

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