Willkommen in Windhoek

Windhuk Namibia

„Ich messe deine Temperatur jetzt per Infrarot an deinem Hals.“

Das sagte die Dame bei der Einreise am Flughafen in Windhoek, Namibias Hauptstadt, zur Erklärung, als sie mit einem roten Laser auf mich zielte. Okay, Ebola ist also auch hier ein Thema. Aber kein besonders Großes. Nach der Einreise haben wir nie wieder ein Wort darüber gehört.

Reisepass

Auf dem winzigen Flughafen, der nichtmal Gangways oder Busse hat, mussten wir uns für die Einreise natürlich in eine Schlange stellen. Die bestand aber einzig und allein aus den Passagieren unseres Fluges. Viel mehr Menschen hätten sich auch nicht anstellen können, denn die Einreise findet quasi noch auf dem Flugplatz statt und so viel Platz bis zur Start- und Landebahn ist da nicht. Schon im Flugzeug mussten wir das normale Einreisedokument ausfüllen, bekamen aber in der Schlange einen weiteren Zettel in die Hand gedrückt. Wir sollten ankreuzen, ob wir in letzter Zeit in einem westafrikanischen Land waren, Fieber oder Muskelschmerzen hatten. Nun ja, nach unserer 34-Stunden-Reise taten mir natürlich sämtliche Muskeln und Knochen weh, aber das kam sicher nicht von Ebola, also kreuzte ich „Nein“ an. Alles andere wäre auch schön blöd gewesen.

Nachdem meine Temperatur und mein Reisepass für in Ordnung befunden wurden, konnte ich mich auf den Weg zum Kofferband machen. Es gibt in Windhoek ganze 2 Bänder, wobei wahrscheinlich sowieso immer nur eins davon in Betrieb ist. Überraschenderweise kam unser Gepäck tatsächlich in Namibia an – ich hatte ja bei der Verbindung über Qatar und Johannesburg so meine Zweifel.

Mit dem Taxi in die Stadt

Den Rucksack auf den Rücken geschnallt machten wir uns auf den Weg zum Taxistand. Irgendwie ist es doch überall gleich. Kaum kommst du aus dem Flughafen, wirst du von Menschen überlagert, die dich alle unbedingt irgendwo hinfahren wollen. Beim ersten lehnten wir dankend ab, waren wir doch noch nichtmal am Taxistand angekommen. Am Stand selbst kamen sie dann aber auch in Scharen und wir stiegen in eins der wenigen Taxen ein, weil wir ja irgendwie sowieso keine andere Wahl hatten. Die Strecke nach Windhoek ist 40 km lang und hat uns 300 N$ (ca. 20 €) gekostet. Erscheint auf den ersten Blick nicht viel, ist für namibische Taxipreis-Verhältnisse aber auch nicht besonders billig. Wir wollten aber einfach nur endlich mal ankommen, also stimmten wir dem Preis zu. Wir haben uns aber auch vorgenommen, beim nächsten Mal zu handeln. Irgendwas geht doch immer.

Chameleon Backpackers Windhuk Namibia

Die Unterkunft

Nach einer halben Stunde erreichten wir unser Hostel, das Chameleon Backpackers. Hier hatten wir im Vorfeld die ersten 2 Nächte unserer Namibia-Reise gebucht. Das Hostel ist gut besucht, aber du bekommst sicher auch ohne Buchung noch ein Bett, zumindest im Mehrbettzimmer. Ich bin da ja (noch) kein Freund von, deshalb hatten wir ein eigenes Zimmer mit eigenem Bad – das war allerdings aufgedrängter Luxus, weil ein Doppelzimmer mit Gemeinschaftsbad auf dem Flur nicht mehr verfügbar war. Gekostet hat uns der Spaß nicht gerade billige 900 N$ (ca. 65 €) für die 2 Nächte, kontinentales Frühstück inbegriffen. Kontinentales Frühstück klingt ja irgendwie super – so umfangreich. Tatsächlich gab es aber Toast, Butter, Marmelade, Müsli, Milch und Joghurt. Und Instant-Kaffee und Tee. Ich finde das aber für ein Frühstück im Hostel absolut ausreichend.

Chameleon Backpackers Pool Windhuk Namibia

Ich mag das Hostel. Die Mitarbeiter sind alle super freundlich, die Zimmer sind sauber, die Küche ist gut ausgestattet, es gibt einen Pool und an der Bar gibt es bis 21:45 Uhr Bier. Was will man mehr? Nach dem Check-in haben wir uns davon auch erst mal ein paar gegönnt bevor wir relativ früh todmüde ins Bett gefallen sind.

Mission: Auto beschaffen

Am nächsten Tag mussten wir uns dann ein Auto beschaffen. Wir hatten ja anfangs überlegt, die ganze Zeit in Windhoek zu bleiben. Aber mal ehrlich, was will man da länger als 2 bis 3 Tage? Die Stadt ist fast 13 mal so groß wie Köln und hat nur etwas mehr als 300.000 Einwohner, also gerade mal ein Drittel so viele wie Köln. Heißt, da ist nicht besonders viel los und es ist alles so weitläufig, dass du überall mit dem Taxi hinfahren musst. Dazu kommt, dass die Stadt nicht gerade sicher ist – im Dunkeln solltest du die mit Gittern und Elektrozäunen gesicherten Anlagen nicht verlassen. Deshalb haben wir die anfängliche Idee schnell verworfen und uns entschieden, auf eigene Faust einen Road-Trip zu machen.

Namibia secure

Auf der Suche nach einem Auto gingen wir zunächst zu den Reiseplanern im Chameleon. Die bieten dort auch mehrtägige Safaris und Autos für Selbstfahrertouren an und waren ziemlich erstaunt, dass wir erst einen Tag vor geplantem Start der Tour nach einem Auto fragten. Angeblich ist im September High Season – wir haben davon unterwegs allerdings nicht viel gemerkt. Meistens waren wir alleine oder mit ganz wenigen anderen Campern auf den Campingplätzen unterwegs – sogar im Etosha Nationalpark. Jedenfalls gab es angeblich nur noch ein Auto. Zu einem horrenden Preis und nicht für die komplette Dauer, die wir mieten wollten. Also recherchierten wir kurz im Internet und fanden Camping Car Hire.

Namibia Camping Car Hire Autovermietung

Mit dem Taxi, das dir die Mitarbeiter vom Chameleon gerne rufen – denn auch hier gibt es sichere und unsichere – ging es auf gut Glück zur Autovermietung. Dort war (angeblich) noch ein einziges Auto verfügbar – und zwar genau das, das wir haben wollten. 10 Minuten später gingen wir mit der Zusage für eine Mietdauer von 17 Tagen für einen Nissan 4×4 Single-Cab mit Dachzelt wieder aus dem Laden raus. Das Auto konnten wir erst nachmittags abholen, weil es noch auf Vordermann gebracht werden musste. Also mussten wir noch ein bisschen Zeit totschlagen und der Taxifahrer, der netterweise auf uns gewartet hatte, fuhr uns zur Christuskirche, einer der Sehenswürdigkeiten Windhoeks.

Erste Lektion: Nicht anquatschen lassen – außer von Taxifahrern, wenn du dich verlaufen hast.

Von der Kirche ging es dann zu Fuß zum Parlament und anschließend Richtung Innenstadt. In einer fremden Stadt zu sein ist ja anfangs irgendwie immer komisch. Du kennst dich nicht aus, weißt nicht, wo du eigentlich hin gehen sollst, weißt nicht, wie du auf die Menschen reagieren sollst. Und weil wir immer erst mal höflich sind, haben wir uns auf der Straße natürlich auch direkt anquatschen lassen und sind stehen geblieben.

Der Mann war alleine und konnte Deutsch, hat uns gefragt woher wir sind und dann direkt einen Kumpel gerufen, der uns irgendwas von seinen toten Eltern erzählt hat und wie schlimm das Leben in Namibia doch ist. Und dann hielt er uns einen Zettel hin. Auf dem stand, was das Geld in Namibia wert ist. Das war der Moment, an dem wir einfach weitergegangen sind, weil es uns zu blöd wurde. Aber erst mal waren wir eben blöd. Wieder was gelernt: Nicht stehen bleiben, wenn dich jemand anquatscht. Das mussten wir später in Swakopmund auch noch mal auf die etwas härtere Tour lernen.

Das Chameleon liegt nicht weit von der Innenstadt entfernt und deshalb machten wir uns gegen 13:30 Uhr zu Fuß auf den Rückweg, weil wir um 15:00 Uhr von einem Fahrer von der Autovermietung am Hostel abgeholt werden sollten. Leider waren wir an dem Tag irgendwie beide nicht so gut im Karten lesen und sind schön auf der Hauptstraße in die falsche Richtung gelaufen. Das haben wir dann nach ca. 20 Minuten auch endlich mal gemerkt und haben einfach das nächstbeste Taxi genommen, obwohl man das ja nicht machen soll. Wir haben es überlebt und günstige 20 N$ (ca. 1,40 €) gezahlt.

Unser Zuhause für die nächsten 2 Wochen

Der Fahrer von Camping Car Hire war überpünktlich, also 10 Minuten zu früh. Wir machten den Mietvertrag fertig und mussten direkt stolze 18.446 N$ (ca. 1.300 €) für die 17 Tage zahlen. Dafür bekamen wir das Auto aber auch einen halben Tag kostenlos. Eigentlich wollten wir den Wagen erst am nächsten Tag haben, aber weil da viel los sein sollte, haben sie uns das Auto einfach schon am Tag vorher mitgegeben. Dann hatten sie uns wenigstens vom Hals.

Nachdem die Formalitäten erledigt waren erklärte uns Simon, ein Mitarbeiter der Autovermietung, den Nissan ganz genau. Das Auto war so gut ausgestattet, dass wir damit problemlos längere Zeit außerhalb der Zivilisation überlebt hätten: 2 Ersatzreifen, 2 Benzinkanister, 5 Ersatz-Keilriemen, Gaskocher, Grill, komplettes Geschirrset usw. usf.

Namibia Camping Car Hire Nissan 4x4

Nach der 30-minütigen Einführung in die Welt der 4×4-Fahrzeuge mit Zelt ließ Simon uns auf die Straße los. Linksverkehr ist gar nicht so schwer wie ich dachte. Ich dachte ja, die Fahrt wird eher so wie die erste Fahrstunde in der Fahrschule. Aber es lief alles reibungslos. Ich habe nicht ein einziges Mal den Scheibenwischer statt des Blinkers betätigt und bin auch nicht in den Gegenverkehr geraten. Und Patrick hatte keine Todesangst, also war alles gut.

Im Supermarkt ist Vorsicht geboten!

Mit dem Auto ging es dann auch direkt zum Supermarkt, um die Grundausstattung für die Tour zu besorgen. Im Supermarkt musst du übrigens auf deinen Einkaufswagen aufpassen wie ein Schießhund. Erst wurde uns der noch leere Wagen vor der Nase weggeklaut und etwas später, als wir den Wagen kurz unbeaufsichtigt ließen, kam eine Frau an und wollte uns das Brot aus dem Wagen klauen. Hallo? Das Regal mit dem Brot war 2 Meter entfernt. Also ehrlich. Nachdem wir nach gefühlt unendlicher Suche alles zusammen hatten, fuhren wir um 18:00 Uhr als letzte vom Parkplatz, weil der Laden nämlich nach uns die Türen verriegelt hat. Gut zu wissen, dass die Läden nicht besonders lange auf haben. Und auch gut zu wissen, dass es innerhalb kürzester Zeit dunkel wird. Als wir in den Supermarkt rein sind, war es noch hell. Und eine halbe Stunde später war es stockdunkel.

Essen in Joe’s Beerhouse

Im Hostel angekommen, haben wir die Einkäufe im Kühlschrank verstaut (und sie natürlich am nächsten Tag da vergessen, was uns den ersten Umweg beschert hat, aber dazu mehr in einem anderen Artikel). Anschließend haben wir uns ein Taxi rufen lassen, das uns zu Joe’s Beerhouse fahren sollte. Angeblich kennst du Windhoek nicht, wenn du Joe’s Beerhouse nicht gesehen hast. Habe ich irgendwo mal gelesen. Also mussten wir da natürlich hin. Das Restaurant ist riesig und war fast komplett voll. Das Essen ist super lecker und für das, was du da bekommst, sind die Preise echt moderat. Ich kann das Restaurant also nur empfehlen.

Unser Taxifahrer Ben hatte uns auf der Hinfahrt seine Nummer gegeben und gesagt, wir sollen ihn anrufen, wenn wir zurück wollen, weil alle anderen Taxis nicht sicher sind. Ist klar. Zufälligerweise war er aber gerade da um andere Leute abzuholen, als wir zurück zum Hostel wollten. Er sagte, er wäre in 20 Minuten zurück, also warteten wir. Und er kam auch tatsächlich wieder. Die Wartezeit kam uns nur irgendwie länger vor und ich konnte mich auch nicht daran erinnern, wie Ben eigentlich genau aussah – das Einzige, was ich wusste war, dass er Adiletten trug. Adiletten sind in Namibia übrigens heiß begehrt. So ziemlich jeder läuft mit den Dingern rum.

Namibia, wir kommen!

Wie dem auch sei, mit der Rückkehr ins Hostel war unser Aufenthalt in Windhoek auch schon wieder vorbei. Wir wollten am nächsten Tag früh starten und uns auf den Weg Richtung Etosha Nationalpark machen. Bevor wir los fuhren, buchten wir noch ein Zimmer im Hostel für unsere letzte Nacht in Namibia, weil wir das Auto in Windhoek zurückgeben mussten. Camping Car Hire bietet übrigens auch einen kostenlosen Shuttle zum Flughafen an. Dabei spielt es keine Rolle, ob du direkt nach der Rückgabe des Wagens zum Flughafen musst oder erst 3 Tage später. Das finde ich einen ziemlich guten Service.

Namibia Etosha Nationalpark Entrance

Und 2 Tage nach dem Start unserer Weltreise ging es dann auf die Straße. Wo wir überall waren, was wir alles erlebt haben, Highlights und Lowlights folgen in den nächsten Beiträgen.

Warst du schon mal in Windhoek? Was hast du dort gemacht und wie lange warst du da?

Anmerkung: Ich habe leider keine Bilder aus Windhoek, weil wir den Hinweisen nachgekommen sind, uns nicht als Touristen zu outen.

Über den Autor

Mona

Früher saß ich den ganzen Tag im Büro am Schreibtisch - heute bin ich angehende Weltenbummlerin, Fotografin, Texterin, Geschichtenerzählerin und Reiseplanerin.
In diesem Blog erzähle ich die Geschichten, die mein Freund Patrick und ich auf unserer Weltreise erleben - und gebe Tipps zur richtigen Vorbereitung einer Langzeitreise und zu einzelnen Reisezielen.

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