Weihnachten im Juni und andere verrückte Dinge

Mount Hutt New Zealand View

„Merry Christmaaaaas!!“, rief die Horde junger Leute, die als letztes in den Bus stieg, der uns hoch auf den Mount Hutt ins Skigebiet bringen sollte. Es war der 25. Juni 2015. Einen Tag vor meinem Geburtstag.

Moment mal. Weihnachten im Juni? Ich in einem Bus, der ins Skigebiet fährt? Schnee an meinem Geburtstag?

In Neuseeland ist einfach alles anders. Aufgrund der Tatsache, dass sich Neuseeland sehr weit im Süden auf der Südhalbkugel befindet, sind die Jahreszeiten dort denen in Deutschland ziemlich genau entgegengesetzt. Heißt, im Juni fängt der Winter an, im Dezember der Sommer.

Und weil Weihnachten ohne Schnee und Kälte natürlich gar nicht geht, wird eben im Juni Weihnachten gefeiert. Zumindest machen das diejenigen so, die ursprünglich aus Europa kommen. Die nennen das dann Mid Winter Christmas. Für die Neuseeländer ist Weihnachten im Hochsommer ganz normal – die meisten Kiwis haben von Mid Winter Christmas noch nie was gehört.

Nachdem wir unseren Road-Trip über die Südinsel beendet hatten, wartete also eine Woche voller Highlights auf uns. Wir feierten Weihnachten am 21. Juni mit unseren irischen Freunden, die wir aus Südafrika kennen, und einer großen Gruppe Europäern – es waren sogar einige Kiwis dabei, die die Idee von Weihnachten im Juni auch nicht doof fanden.

Mid Winter Christmas New Zealand

Es wurde ganz traditionell Truthahn aufgetischt. Das ist allerdings in Deutschland nicht wirklich eine Tradition. Deshalb ließen Patrick und ich uns nicht lumpen und besorgten ein Fass Krombacher – das zweitbilligste Bier, das es in Neuseeland zu kaufen gibt!

An diesem Abend ahnte ich noch nicht, dass ich nur vier Tage später tatsächlich in ein Skigebiet fahren würde. Ich war noch nie Ski gefahren und konnte mich bisher auch sehr gut gegen alle Überredungsversuche wehren. Aber Methven, der Ort, in dem wir mit unseren irischen Freunden hausten, liegt nunmal am Fuße vom Mount Hutt. Und auf dem Berg befindet sich eins von Neuseelands besten Skigebieten – sagt Neuseeland.

Ich stand also unter Druck – und gab nach. Am 25. Juni, einen Tag vor meinem Geburtstag, saß ich schließlich morgens um 7:45 Uhr im Skibus, der uns auf den Berg brachte. Oben angekommen, wurde ich eingekleidet und konnte direkt auf den Kinderhügel, auf dem ich den ganzen Tag verbringen sollte.

Ski New Zealand Mt Hutt

Nach anfänglichen Schwierigkeiten, mit den Skiern überhaupt vorwärts zu kommen, machte ich doch eine recht gute Figur. Ich hatte eine Gruppenstunde gebucht, bekam aber glücklicherweise Einzelunterricht, weil niemand anders so gut war wie ich – und auch nicht so schlecht. Meine Skilehrerin Kate motivierte mich so sehr, dass mir das Skifahren nach kurzer Zeit doch tatsächlich Spaß machte. Und mein Eindruck von meiner guten Figur wurde von ihr bestätigt, als sie mich in der zweiten Stunde unerlaubterweise einfach in den Skilift setzte und mit mir eine richtige Piste runtersauste.

Jedenfalls fühlte es sich für mich an wie runtersausen – auf Patricks Videos sieht es eher aus wie kriechen. Aber ich bin kein einziges Mal gefallen und war so voller Elan, dass ich am Ende des Tages sagte, ich würde gerne noch mal auf den Mount Hutt fahren.

Mount Hutt New Zealand View

Das ließ Patrick sich natürlich nicht zwei Mal sagen. Wie passend, dass am nächsten Tag mein Geburtstag war und er noch kein Geschenk hatte. Also kritzelte er schnell einen Gutschein für einen weiteren Tag Skifahren inkl. Ausrüstung und einer weiteren Skistunde auf Papier – und machte mir damit tatsächlich eine Freude. Wer hätte das gedacht?

Zu Hause wäre das allerdings eher ein Geschenk für Weihnachten. Ich bin es gewöhnt, dass an meinem Geburtstag die Sonne scheint. Soweit ich mich erinnern kann, hatte ich immer hervorragendes Sommerwetter. Die Sonne schien auch dieses Jahr. Nur leider nicht bei 25 Grad, sondern bei 5 Grad in der Spitze und Regen am Abend. Ich muss sagen, ich bevorzuge die Sommersonne.

Ich hatte also eine Woche voller neuer Erfahrungen, die ich nicht missen möchte. Ich weiß jetzt, dass ich an meinem Geburtstag lieber auf der Nord- statt auf der Südhalbkugel bin. Und Skifahren ist gar nicht so blöd, wie ich immer dachte. Und Weihnachtsplätzchen und Truthahn essen während Weihnachtslieder laufen ist auch im Juni vollkommen in Ordnung.

Über den Autor

Mona

Früher saß ich den ganzen Tag im Büro am Schreibtisch - heute bin ich angehende Weltenbummlerin, Fotografin, Texterin, Geschichtenerzählerin und Reiseplanerin.
In diesem Blog erzähle ich die Geschichten, die mein Freund Patrick und ich auf unserer Weltreise erleben - und gebe Tipps zur richtigen Vorbereitung einer Langzeitreise und zu einzelnen Reisezielen.

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