Selbstverständlich! Oder nicht?

Common Sense

Ich habe mich letztens mit einem anderen Reisenden über Selbstverständlichkeiten unterhalten.

Um genau zu sein, sprachen wir über „common sense“, also über den gesunden Menschenverstand. Das trifft es vielleicht sogar noch ein bisschen besser. Er hat mir ein paar Geschichten von anderen Reisenden erzählt, bei denen der gesunde Menschenverstand scheinbar etwas auf der Strecke geblieben ist.

Und auch wir begegnen immer wieder Menschen oder werden mit Situationen konfrontiert, bei denen wir nur noch den Kopf schütteln können.

Eine Geschichte, die der Mann mir erzählte, war die von einem geklauten Rucksack am Busbahnhof. Sowas kommt ja auf Reisen scheinbar immer wieder vor – und ich frage mich, warum. Wie kann man so unvorsichtig sein und seinen Rucksack mit allen Wertgegenständen wie Reisepass, Portemonnaie, Handy usw. am Busbahnhof hinter sich auf den Boden stellen? Das würde ich nirgends machen – nicht mal in Castrop-Rauxel.

Er erzählte mir von einem anderen Reisenden, den er im Bus kennengelernt hatte. Der wollte so schlau sein und eine Menge US-Dollar von einem Nachbarland nach Argentinien bringen, weil du in Argentinien auf dem Schwarzmarkt ja bekanntlich viel mehr für dein Geld bekommst. Der besagte Reisende besorgte sich also ganze 3.000 Dollar und packte sie in seinen Rucksack. Den Rucksack nahm er mit zu seinem Sitzplatz im Nachtbus – um ihn dann auf der Ablagefläche über seinem Kopf zu verstauen. Hallo? Das würde ich nicht mal in Sri Lanka machen – und die netten Menschen dort werden überwiegend buddhistisch erzogen, also mit der Moral, dass man nicht klaut. Natürlich waren die 3.000 Dollar am nächsten Morgen weg, als der Reisende aus seinem erholsamen Tiefschlaf in Argentinien wieder aufwachte.

Über solche Geschichten kann ich nur Kopf schütteln, aber sie betreffen mich ja nicht direkt. Also amüsiere ich mich darüber, mehr aber auch nicht.

Es gibt aber andere Dinge, die mir Kopfzerbrechen bereiten und mich gleichzeitig direkt betreffen.

Zum Beispiel Reisende, die mitten in der Nacht in Gemeinschaftsbädern duschen. Duschen an sich ist ja kein Verbrechen – jeder soll seinen Körper dann reinigen, wenn es ihm am besten passt. Aber bitte nicht in einer Lautstärke, die jedem Menschen, der nicht schläft wie ein Stein, den Schlaf raubt. Und dann fluten diese Menschen auch noch das ganze Bad, in das du dann hinterher schlaftrunken mit deinen Socken latschst. Ist es wirklich zu viel verlangt, den bereitstehenden Wischer zu benutzen und das Wasser in den dafür vorgesehenen Abfluss im Boden zu befördern?

Am liebsten würde ich diese Menschen an den Schultern packen, sie schütteln und fragen, ob sie das zu Hause auch so machen. Setzen die ihre eigenen Badezimmer auch komplett unter Wasser und lassen dann Mutti den Dreck weg machen? Ja, es gibt in Hostels natürlich Putzleute, aber deshalb muss man sich ja nicht benehmen wie der letzte Mensch auf Erden.

Gleiches gilt für Gemeinschaftsküchen. Wie kann man sich erlauben, sich in der Küche zum Frühstück Eier zu braten und danach abzureisen, ohne die benutzten Teller zu spülen? Viel schlimmer, die Pfanne mit den angebrannten Essensresten stehen zu lassen, so dass der nächste, der sie benutzen will, erst mal den Drahtschwamm suchen muss? Das ist mir unbegreiflich. Wo waren diese Menschen, als der gesunde Menschenverstand verteilt wurde?

Und am schlimmsten sind die, die sich benehmen wie Sau und sich dann auch noch beschweren. Kürzlich wurde ein Artikel über die dümmsten Beschwerden von deutschen Urlaubern veröffentlicht. Da fällt einem doch nichts mehr zu ein, wenn sich Menschen darüber beschweren, dass sie von ihrem angeblich gebuchten Zimmer mit Meerblick aus nur den Strand und die Wellen sehen konnten.

Es gibt ja auch Leute, die beschweren sich darüber, dass im Hotel ihr Bett nicht ordentlich gemacht wurde. Oder dass das Klopapier nicht reicht. Ja, ihr seid im Urlaub und wollt es euch gut gehen lassen. Und wahrscheinlich hat der Spaß ein Vermögen gekostet. Aber wenn euch nicht passt, wie der nette Saubermachmensch das Hotelbett gemacht hat, dann macht’s halt selbst. Zu Hause macht ihr das ja auch selbst, oder? Und nach Klopapier kann man fragen.

Fragen kostet generell nichts, außer vielleicht Überwindung. Aber anstatt zu fragen, beschwert man sich lieber. Dabei könnte man mit fragen so viel mehr erreichen, wenn man dabei noch nett lächelt, anstatt in typisch deutscher Manier direkt pampig zu werden. Ich kann durchaus verstehen, warum Deutsche häufig keine gern gesehenen Gäste sind.

Um zu den Menschen zurückzukommen, die sich in Gemeinschaftsräumen benehmen wie Sau – ich könnte mich ja jetzt selbst an den Pranger stellen und fragen, warum ich die Menschen nicht nett gefragt habe, ob sie vielleicht das nächste Mal nach dem Duschen den Boden wischen können, wenn sie das Wasser schon überall verteilen müssen. Aber ganz ehrlich, ich glaube, das wäre vergebene Liebesmüh. Da wische ich lieber schnell selbst. Das mache ich ja zu Hause auch so.

Über den Autor

Mona

Früher saß ich den ganzen Tag im Büro am Schreibtisch - heute bin ich angehende Weltenbummlerin, Fotografin, Texterin, Geschichtenerzählerin und Reiseplanerin.
In diesem Blog erzähle ich die Geschichten, die mein Freund Patrick und ich auf unserer Weltreise erleben - und gebe Tipps zur richtigen Vorbereitung einer Langzeitreise und zu einzelnen Reisezielen.

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